Arbeitsunfall nach Arzttermin

Eine Frau, die nach einem Arztbesuch unter einer zusammenbrechenden Hausmauer begraben und schwer verletzt wurde, bekam keine Unfallrente. An sich gelten Arztwege, auch wenn sie vor Dienstbeginn oder nach Dienstschluss in der Freizeit gemacht werden, als zur Beschäftigung gehörende Verrichtungen. Sie stehen auch unter Versicherungsschutz, allerdings nur dann, wenn dem Arbeitgeber die Kontrolle ermöglicht wird. Der Arbeitnehmer muss ihn darüber informieren, wann und auf welchem Weg er zu welchem Arzt geht. Im konkreten Fall (10 ObS 345/97a) wies die Arbeitnehmerin ihre Kolleginnen lediglich darauf hin, dass es sich um einen Zahnarztbesuch im 10. Bezirk handelte. Der Einwand der Arbeitnehmerin, dass es an ihrem Arbeitsplatz nicht üblich sei, bei Arztwegen so konkrete Angaben zu machen, ließ der OGH nicht gelten. Denn das ASVG fordert ausdrücklich die Bekanntgabe von Zeit, Weg und Ziel an den Arbeitgeber. Daher war der Unfall auf dem Heimweg nicht von der Unfallversicherung gedeckt und die Frau bekam keine Unfallrente.

Quelle: Pohn-Mairinger Hermann