Grobe Fahrlässigkeit

VersVG § 61: Grobe Fahrlässigkeit, wenn das Verhalten des Schädigers aus der Menge der sich auch für den Sorgsamsten nie ganz vermeidbaren Fahrlässigkeitshandlungen des täglichen Lebens als eine auffallende Sorglosigkeit heraushebt. Dabei wird ein Verhalten gesetzt, von dem der Handende wusste oder wissen musste, dass es geeignet ist, den Eintritt eines Schadens zu fördern. Ob eine Fehlhandlung wegen ihres besonderen Gewichts oder einzelne für sich genommen nicht grob fahrlässige Handlungen in ihrer Gesamtheit und Häufung die Annahme grober Fahrlässigkeit rechtfertigen, ist ein Frage des Einzelfalls. Erst eine Gesamtbeurteilung aller Umstände des Einzelfalls ermöglicht die Wertung des Verhaltens (stRsp).

OGH 28. 02. 2001, 7 Ob 37/01v

Grob fahrlässig handelt demnach, wer sein fast neuwertiges, kaskoversichertes Motorrad an der Zapfsäule einer slowakischen Tankstelle abstellt, das Tanksschloss mit dem darin steckenden Zündschlüssel aufklappt und sich entfernt, um im Tankstellenhaus die Zahlungsmodalitäten zu erkunden, wobei er auch nicht zurückkehrt, um den Schlüssel abzuziehen, al er bemerkt, dass sich ein Unbekannter dem Motorrad nähert (der schließlich damit davonfuhr). Zu bedenken ist dabei auch, dass das Anstarten des Motorrades trotz im Tankschloss verankerten Zündschlüssels nicht länger als 5 Sekunden dauert.

Quelle: Landesgremium OÖ der Versicherungsmakler/-berater